Dienstag, 5. August 2008

Stela auf großer Fahrt

Das komplette Wochenende ist einer Spontan-Aktion von mir zum Opfer gefallen, die Heidi, mich und Stela zum Paddeln an die Lahn verortet hat. Dabei bin ich meinem dringenden Bedürfnis nachgekommen, wenigstens einmal im Jahr auf einem schlechten Lager die Nacht zu verbringen. Doch trotz der wunderschönen Paddelei und des wohlgesonnenen Wetters war die Nachtruhe diesmal noch extremer, als sie durch hauchdünne und kleine Isomatten und das winzige Zelt ohnehin schon garantiert gewesen wären. Heidi hat das alles schon wunderbar zusammengefasst und mir bleibt hier nur, mich über ihre außerordentliche Beobachtungsgabe zu freuen, die die berichteten Details überhaupt zu Tage gefördert hat. Janina jedenfalls hat ihr Fett wegbekommen.
Mich hat in der ganzen Nacht vor allem mein eigener Kopfschmerz (zu wenig Wasser tagsüber, zu viel Wein abends) gequält. Neben den Problemen von Janina waren es allerdings vor allem die des Nachts durch den Wald hallenden, Tarzan-gleichen Schreie der Metal-Reisegruppe, die mich wach hielten.
Eine Nacht macht man so etwas ja auch gerade noch mit, ohne dass man am nächsten Tag komplett schlecht aufgelegt sein müsste. So war es auch bei uns. Auch am zweiten Tag berauschte uns die Landschaft des Lahntals und Janina und die Metal-Reisegruppe waren im Grunde vergessen.
Was uns schlecht gelang, war das bewußt langsame Paddeln, bei dem es vor allem um das Sehen der Landschaft und weniger um das Vorankommen geht. Wenn man allerdings in einer Schleuse auf einmal von 50 oder mehr Booten umzingelt ist, von denen 10 Prozent es nicht schaffen, die Schleuse auf geradem Weg wieder zu verlassen, sondern vor allem quer zum Fluss fahren und auch dabei kentern (!), dann will man von dort möglichst schnell weg kommen und paddelt was das Zeug hält. Und irgendwie ist es ja doch ganz in Ordnung, wenn man danach erzählen kann, dass man 46 kilometer an anderthalb Tagen zu zweit mit einem 3 Mann Kanu geschafft hat.

Berichtenswert für angehende Lahnreisende ist, dass man zum Einen sein Boot rechtzeitig buchen sollte, vor allem die Schönwetter-Samstage im Sommer sind anscheinend frühzeitig ausgebucht. Wenn ich mir sicher wäre, damit keinen Ärger zu bekommen, würde ich hier lautstark Werbung für unseren Anbieter machen, aber da lasse ich lieber die Finger von.
Zum anderen sind die Schleusen bis vor Limburg von Hand zu betreiben. Teilweise war mir rätselhaft, wie die schwer gängigen Schleusentore von jemandem unter 80 kg Körpergewicht überhaupt bewegt werden können. Kleine Reisegruppen, die aus leichten Mädchen bestehen, könnten hier Probleme bekommen.

















Stela freundet sich mit dem Fluss an


Nach jahrelangem Reisen mit Remark und seinem kleinen Kolibri IV, in dem er gerade so zu sitzen kommt und in das ich eigentlich nicht hineinpasse, fand ich das Stechpaddeln in einem ordinären Plastik-Kanu vollkommen erholsam. Wir kamen nicht ganz so schnell voran, konnten dafür aber auch mal die Position und die Paddel-Seite wechseln. Meinem Empfinden nach ist das das Paddler-Paradies. Heidi hat etwas gelitten (vor allem unter Schulterschmerzen), aber ich bezweifle, dass das bei einem Kajak weniger schlimm gewesen wäre. Ich würde jederzeit wieder das Kanu wählen. Außerdem haben wir so den etwas ängstlichen Hund auch noch bequem mit bekommen.

Mit einem Rätsel läßt uns diese Lahnreise allerdings noch zurück: Warum ist Stela freiwillig in die Lahn gesprungen? Dachte sie, dass sie irgendwie schon auf der Lahn gehen können würde oder dachte sie überhaupt nicht oder dachte sie, dass sie es bis zum Ufer schaffen würde? Hatte sie zu große Angst vor dem Boot, dass alles besser war, als auf diesem zu verweilen? Jedenfalls ist nach dem vorab mulmigen Gefühl bezüglich Stelas Verhalten auf den Boot nur gutes über sie zu sagen: Hut ab, Hund!

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