Freitag, 9. Mai 2008

Das Haus, das Verrückte macht

Heidi hat gestern eine Vollstreckungsankündigung vom Finanzamt bekommen. Diese bezieht sich auf nicht entrichtete KFZ Steuern, deren korrekte Meldung und Zahlung von uns bereits im Februar per Formular in die Wege geleitet worden waren (hier passt der Plusquamperfekt aber perfekt). Die Geschichte dieser Angelegenheit geht ungefähr so: Heidi hat nun bereits das vierte Auto bei der selben Finanzbehörde angemeldet. Die Kontoverbindung hat sich sein 15 Jahren nicht geändert und dennoch haben die es geschafft, die falsche Kontoverbindung mit dem Auto zu assoziieren. Für uns sieht es so aus, als hätten sie die Kontodaten frei erfunden, vermutlich existierte das Konto nicht einmal; oder die haben das Geld von einem nicht besonders verständnissvollen Mitbürger eingezogen, der es sich dann zurückgeholt hat. Jedenfalls stellten die Finanzbeamten nach ein paar Wochen verblüfft fest: Die hat ja nicht gezahlt. Und schreiben einen Brief, in dem sie dies bemängeln. Aus dem Brief wird klar: Die haben die falsche Kontoverbindung. Heidi schickt eine Antwort mit der richtigen Kontoverbindung. Dies ist nun etwa 4 Wochen her. Eigentlich genügend Zeit, um die Daten zu korrigieren und einen erneuten Versuch zu starten, das Geld abzubuchen. Entweder hat die Zeit doch nicht gereicht, oder irgend ein neuer Fehler hat sich eingeschlichen - jedenfalls flatterte gestern die besagte Vollstreckungsankündigung ins Haus, deren Aufklärung bzw. Abwehrung ich zur Zeit hinterher telefoniere. Bisher hatte ich 3 Telefonate: Die ersten beiden dienten dazu herauszufinden, dass ich mit der falschen Zweigstelle telefoniere (der erste war "Kollege geht nicht ran, ich gebe ihnen mal die Durchwahl") , das dritte diente ebenfalls nur dazu, eine Durchwahl zu bekommen. Ich bin auf das hoffentlich bald zustande kommende Gespräch 4 gespannt.

Telefonat Nummer 4 hat endlich etwas Licht in diese Angelegenheit gebracht. Die haben, wie schon vermutet, beim ersten Versuch kein Geld bekommen. Danach wurde - so sieht es der Prozess offenbar vor - diese Zahlungsmöglichkeit für ein Jahr gesperrt und man muss die Kohle manuell einzahlen. Wir hatten aber lediglich die korrigierten Kontodaten geschickt, wie man das heutzutage bei jedem online-shop machen würde. Hier hätte freilich gesunder Menschenverstand auf Seiten der Behörde helfen können, aber es sieht so aus, als ob dieser in solchen Behörden systematisch unterdrückt würde. Anstelle also den Fehler einfach zu korrigieren, wird eine Maschinerie angestoßen, die mit dem Gerichtsvollzieher oder einer vergleichbaren Instanz endet. Fast schon zum Schmunzeln, wenn es mich nicht wieder eine Stunde meiner Zeit gekostet hätte. Die Argumentation der Finanzbeamtin, man könne ja nicht jeden einzelnen Fehler korrigieren, hat mich auch verblüfft. Korrigieren geht nicht, aber Vollstreckungsankündigungen losschicken und Pfändungen vorbereiten geht schon. Kaum zu fassen.
Aber für mich hat sie eine Ausnahme gemacht und das System entsperrt. Nun dürfen wir doch noch ganz normal zahlen.

Man stelle sich vor: Da macht man alles richtig, antwortet sogar noch sachlich auf ein Schreiben, in dem bereits mit Strafen gedroht wird. Und am Ende steht man kurz vorm Gerichtsvollzieher.
Was ich erwartet hätte, wäre ein Schreiben der Form: "Möglicherweise ist hier irgendwo ein Fehler unterlaufen, bitte kontrollieren Sie nochmals Ihre Angaben". Aber nein, es wird gleich mit irgendwelchen Mahnungsgebühren bzw. Pfändungen gedroht.

Keine Kommentare: