Ich war im Lux von Benelux. Diesmal eine Schulung für 2 ahnungslose Luxemburger, eine Luxemburgerin und einen Belgier, wenn ich das richtig zusammenbekommen habe. Hier das, was mir von meinen Eindrücken noch geblieben ist: Zunächst mal die Fahrt. Man bekommt nicht unbedingt einen ICE geboten, wenn man von Köln nach Luxemburg will, das macht aber nichts. Ich mag die größeren Fenster und die geringere Geschwindigkeit der ICs und konnte so meine Fahrt, die fast die ganze Zeit über am Rhein entlangführt, genießen. Ich kam auch kaum zum Lesen, denn die Landschaft faszinierte trotz wolkenverhangenem Himmel.
Luxemburg selbst empfing mich mit seinem im (Um-)Bau befindenden Bahnhof nicht gerade sehr angenehm. Dennoch: Das Best Western liegt direkt gegenüber und so brauchte ich nicht noch lange herumzusuchen. Nachdem ich mich ein wenig auf dem Bett bei ein, zwei Folgen Simpsons ausgestreckt hatte, ging ich doch noch einmal hinaus, um ein wenig von der Stadt zu sehen. Zunächst lief ich im Bahnhofsviertel umher, um noch irgendetwas zu Essen aufzutreiben und landete schließlich bei einem Döner Mann. Ein Döner Mann, der einen auf Französisch anredet, ist schon was besonderes.
Danach spazierte ich noch weiter in dem Viertel herum, bis ich eine Brücke fand, die mich zur anderen Seite der sich quer durch die Stadt ziehenden Schlucht führte.
Diese Schlucht war an diesem Abend eigentlich das Interessanteste an Luxemburg. Man kann von den Brücken auf die Dächer von Häusern hinab sehen und auf kleine, sich windende Gassen. Eigentlich verspricht dies viel Gemütlich- und Wohnlichkeit. Da es aber doch ziemlich dunkel war und die wenigen hinabführenden Wege nicht besonders hell beleuchtet waren, traute ich mich nicht hinunter. Das machte aber nichts, denn es fing, wie anscheinend auf diesen Reisen üblich, an zu regnen. Vielleicht darf man sich auf Dienstreisen nicht wohl fühlen. Wenn man sich eine Stadt ansehen will, kann man doch in seiner Freizeit oder im Urlaub dahin fahren. Irgendwie sowas.
Was mir noch aufgefallen ist, sind die vielen "gepflegten" (das habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil es eben doch nicht das richtige Wort ist, aber ironisch meine ich es deswegen nicht) Gebäude und Straßenzüge. Alles sieht nach viel Reichtum der Gesellschaft aus. Man sieht aber auch wenig wohnliches auf den Strassen der Innenstadt. Ich machte kehrt, als ich auf eine Einkaufsstraße traf (wahrscheinlich "Die Innenstadt" schlechthin), in der alles bereits geschlossen hatte. Ich glaube, in Luxemburg schließen die meisten Geschäfte bereits 19.00 oder früher. Aber ich kann es nicht beweisen, weil ich so viel Zeit auf Brücken und im Bahnhofsviertel vergeudet hatte. Ich kam einfach zu spät in der Einkaufszone an, um hier wirklich noch etwas Wahres darüber sagen zu können.
Mir ist allerdings noch etwas zu dem "gepflegt" eingefallen: Ich wollte nämlich ursprünglich und viel treffender schreiben, dass viele Häuser einen sehr gestylten Eindruck machen. Die Fassaden lassen keinen Zweifel an dem Reichtum ihrer Eigner. Nur wo wohnen die Menschen? Wahrscheinlich alle in der Schlucht.
Ein anderes Detail sind die vielen WiFi Zonen über all in der Stadt. Beispielsweise an Fußgängerampeln. Man erklärte mir das heute so: Es gäbe mittlerweile viele Geräte, die in der Lage sind, gebookmarkte Inhalte während des Aufenthaltes in einer solchen Zone herunterzuladen und dann offline zur Verfügung zu stellen. D.h. man muss nicht an der Ampel stehen bleiben, bis man seinen Zeitungsartikel zu Ende gelesen oder seine Email zu Ende geschrieben hat. Dann macht es auch wieder Sinn.
Meine Fahrt hatte während der letzten 2 von etwa 4 Stunden einen kleinen negativen Beigeschmack bekommen: Der Darmvirus, der bei uns zu Hause wütet, war nun auch bei mir angekommen. Und so stand ich, mich innerlich krümmend und windend, äußerlich lächelnd, vor der schönen Hotelangestellten, die es ewig nicht auf die Reihe bekam, meine Reservierung zu finden und mir dabei schöne Augen machte. Was für ein Schauspiel! Aber ich konnte es noch rechtzeitig ins Zimmer schaffen und fand sogar rechtzeitig heraus, dass ich erst noch meine Key-Card in einen dafür bereitstehenden Schlitz stecken musste, bevor ich die Lichter anknipsen konnte.
In Luxemburg wird anscheinend viel und gern geheizt, ein weiteres Indiz dafür, dass es den Menschen hier wirtschaftlich gut geht. Das Hotel beispielsweise stellte des Nachts die Heizung nicht ab, so dass ich, der ich darauf verzichtet hatte, das Fenster zu öffnen, gegen 2 Uhr schweißgebadet aufwachte. Hätte das Zimmer ein Thermometer gehabt, hätte dies wahrscheinlich 30 Grad Celsius angezeigt. Zu dieser Zeit war der Lärm, der vom Bahnhof herüberwehte, bereits verebbt, so dass ich das Fenster sperrangelweit aufreißen konnte (bei vielen Hotels kann man das Fenster gar nicht öffnen) und irgendwann auch wieder einschlief.
Die Heizsituation wiederholte sich dann am nächsten Tag im Schulungsraum, wo ich mit meiner Einstellung gegenüber geöffneten Fenstern auf taube Ohren stieß.
Entsprechend wenig spritzig und originell verlief auch die Schulung. Die beteiligten Luxemburger und Luxemburgerin und Belgier erwiesen sich als ernste Menschen, an denen meine Späße abprallten. Mir machte das nichts, denn ich würde diese Leute in meinem Leben vermutlich sowieso nie wieder sehen.
Da ich einige Details übersprang, waren wir relativ schnell fertig und ich schaffte es noch, den Zug eine Stunde früher zu erwischen. Der nette Belgier, der sich mir mit den Worten vorgestellt hatte "I am good with computers, but useless in the real world", brachte mich noch zum Bahnhof zurück und verabschiedete sich mit den Worten "Thank You, Mr. Pelle, it was a pleasure to meet you." Tja.
Aber kaum saß ich drin, wurde es auch schon dunkel. So bekam ich in den folgenden 4 Stunden nicht viel von der vorbeiziehenden Landschaft mit, nur der Rhein glitzerte bisweilen neckisch zu mir herüber. So als wollte er sagen: "Na, Du Tunichtgut, wieder in der Weltgeschichte herumgetrieben? Wird Zeit, dass Du mal wieder was Ordentliches machst." Oder so.
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