Wieder mal so ein Dienstreisenbericht. Diesmal zu zweit mit S.B.
Es ging nach Hamburg und keiner hatte Bock da drauf. Oder war das nur ich? Im Nachhinein fällt mir auf, wie mich der Kollege immer wieder zu motivieren versucht hat.
Egal, für zwei Tage hält man das schon mal aus. Außerdem entschädigt einen das einzige Sonnenlicht, das man in diesen Monaten zu sehen bekommt. Dieses trifft man an, wenn man erst mal die für die Augen undurchdringliche Wolkendecke mittels Flugzeug durchdrungen hat. Morgens halb 10 in Deutschland, sozusagen.
Nach getaner Arbeit war der Besuch im spartanischen Hotel sehr kurz. Es reichte gerade zum Sachen auspacken, einmal aufs Klo und nach Hause telefonieren.
Dann musste ich mit auf die sündige Meile, die wir nach halbstündigem Fußmarsch und 50 minütiger Zugfahrt (ehrlich) erreichten. Da waren wir nun, im Regen auf der Reeperbahn: alles voller schmuddeliger Geschäfte und Restaurants, deren letzter Besuch vom Gesundheitsamt schon eine Weile zurückliegen musste. Uns sagte dann in der Not ein Maredo zu, der uns auch noch mit Sonderangeboten lockte.
Da ich die Ecke wegen früherer Kundenkontakte kannte, wusste ich auch, wo es zum Hafen geht. Dort ist es immer imposant, die Elbe (oder Alster) ist zwar in etwa so breit wie der Rhein, aber es macht einen deutlich meerigeren Eindruck. Das wird sicher durch die eigene Erwartungshaltung verstärkt. Dort ist eine Werft und ein paar beleuchtete "Dampfer". Außerdem natürlich die Promenade durch die Speicherstadt. S.B. wollte aber nicht da lang, sondern wieder zurück in den Sündenpfuhl. Und so gelangten wir in einen Spießrutenlauf mitten durch die Frühschicht, wie wohl gegen 20.00 Uhr beginnt. "He, wo gehst'n Du hin?", "Willst Du nicht mitkommen?", "Was hast'n Du noch vor?" oder am besten "Das wird Dir gut tun." waren die meist gehörten Anreden. Kaum dachte man, man hätte es geschafft, tauchten schon wieder neue Schwärme von denen auf. Danach erwartete uns wieder die 50 Minuten und 30 Minuten dauernde Rückreise ins ländliche reizlose Hotel. Die Fahrt war so lang, dass wir zu Beginn des Fußmarsches illegal auf einer Weide pinkeln mussten.
Das tollste Erlebnis an dieser Hamburgreise fand allerdings erst wieder im Flieger statt: Ich hatte den Fensterplatz erstritten, und als wir nach heftigen Turbulenzen endlich oberhalb der Wolken ankamen, konnte ich noch einen letzten Blick auf das hinter der Erdkrümmung verschwindende Tageslicht erhaschen. Das ganze dauerte etwa 5 Minuten, dann war der Spaß vorbei. Da ging es mir wohl fast wie den Kosmonauten, die wirklich sehen, dass die Erde keine Scheibe ist.
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