Sonntag, 30. September 2007

BlairWitchShotMan

Es ist Sonntag, 7.00 Uhr morgens und ich kann nicht mehr einschlafen. Also habe ich mir einen Kaffee gemacht (es gibt gleich noch den zweiten) und versuche mal wieder, einen Post zusammenzuschreiben. Der letzte liegt so lange zurück, dass so einiges neues zusammengekommen ist und ich vermutlich Schwierigkeiten haben werde, alles zu erinnern. Und so wird dieser Post auch stark berichtenden und weniger moralisierenden Charakter haben.



Die Klitschkos: Haben eine turbulente Zeit hinter sich, die damit eingeleitet wurde, dass Wladimir Vitali begattete und wir uns Gedanken über deren wahre Geschlechtszugehörigkeit und auch Fruchtbarkeit zu machen begannen. Schließlich wurde ein Termin beim Tierarzt gemacht wo ich die Viecher dann morgens hinbrachte. Pro Kastration 45 Euro!
Aber es konnte viel Geld gespart werden (fürs erste jedenfalls), denn Vitali ist ein Mädchen.
Was also tun? Es handelt sich ja wohl immerhin um die fruchtbarsten Säuger der Welt.
Und so verbrachten die Klitschkos die nun folgenden Wochen: Es wurde ein zweiter Käfig angeschafft, damit die Begattereien ein Ende haben (die Männchen sind wohl noch 6 Wochen nach der Sterilisation zeugungsfähig) und abwechselnd Vitali oder Wladimir dort reingesteckt. Die beiden durften nur noch getrennt oder unter Sophies strenger Aufsicht raus. Die beaufsichtigten Freigänge fanden wiederum ausschließlich im Outdoor-Quälkäfig statt, der ja bei uns auf der Wiese steht.
Hierzu muss folgendes angemerkt werden: Den Quälkäfig hat unsere Oma der Sophie zum Geburtstag geschenkt, damit sie sich zu den Kaninchen in den Käfig setzen kann und diese dort beobachten und streicheln kann, was man so macht. Abgesehen davon, dass die armen Viecher dann auch ständig hochgehoben und auf den Arm genommen werden, was sie nicht wollen (deswegen ja auch Quälkäfig), hat dieses Ding doch einen entscheidenden Nutzen gegenüber dem echten Freigang: die etwas über einen Quadratmeter große Fläche wird dermaßen gründlich gemäht und mit Hasenkötteln gedüngt, dass sich eine Nachbehandlung mit Rasenmäher oder Hornspäne erübrigt. Ich bin überzeugt, dass wir auf diese Weise nun echte Hasenmäher haben und vor allem nächstes Jahr endlich mit dem Perfekter-Rasen-Projekt zu Potte kommen werden. Denn eine Eigentschaft von solchem Naturdünger ist ja, dass dieser immer etwas länger braucht, um seine volle Wirkung zu entfalten.
Naja. Aber noch mal zurück zu den Klitschkos. Eine weitere Frist bezog sich auf das Niederkommen der Vitali. Diese hatte nämlich exakt 28 Tage nach der letzten möglichen Befruchtung Zeit, ihre Nachkommen zu gebären. Mittlerweile kann man sagen: Sie hat es nicht geschafft, denn es kam anscheinend nie zu einer Befruchtung. Vielleicht war sie noch zu jung, vielleicht haben sie es nicht richtig angestellt (OK, es sind Kaninchen, das kann man eigentlich ausschließen). Jedenfalls ging ein großes Aufatmen durch die Reihen der Familie. Endlich konnte Vita (wie sie seit der Entdeckung ihrer Weiblichkeit oft genannt wird) wieder angefasst, hochgehoben, eingefangen werden. Endlich konnten die Käfige wieder regelmäßig getauscht werden (damit sie den Geruch des anderen nicht vergessen). Nur noch 2 Wochen, bis Wladi (oder Wladl, wie er gern genannt wird) endgültig clean werden würde.
Seit Freitag sind auch diese 2 Wochen überstanden und die beiden wohnen nun wieder zusammen. Der befürchtete Zoff ist weitgehend ausgeblieben. Wir fanden zwar ein paar Haarbüschel, aber wenn man sie so beobachtet, kann man nur Harmonie erkennen: Da wird ständig alles zu zweit gemacht, sie gegenseitig das Fell abgeleckt und quer über- bzw. untereinander gelegen. Also alles wieder in Ordnung. Bei denen jedenfalls.


Radfahren,WitchShot: Ansonsten haben Onkel F., Justin und ich letztlich doch noch unsere Radtour gemacht, obwohl eben gerade nicht, wie vorher hier angekündigt, am nächsten Wochenende, jedoch noch im August. Wir fuhren am Rhein entlang, weil die urspünglich zu verwendende Sieg noch immer Hochwasser hatte und man sich nicht sicher war, ob wir da überall durch kämen.
Prima Wetter und Rückenwind waren unsere Verbündeten. Der Rücken selbst war es jedoch nicht. Zumindest meiner ließ mich im Stich: Noch vor dem Losfahren bekam ich einen Hexenschuss (oder was auch immer), deswegen der denglische Titel mit dem WitchShot drinnen. Ich weiss, dass Hexenschuss nicht WitchShot heißt, aber es muss dennoch so heißen. Mit Heftigen Schmerzmitteln habe ich die Tour dennoch überstanden und das eigentlich Radfahren war auch gar nicht so schlimm, aber die Nacht im Zelt, die war's. Ich konnte mich nämlich meistens nicht rumdrehen, wenn mir mal danach war. Und ich glaube, daran war zum Teil die extra von Justin erbettelte dicke ISO-Matte schuld. Jedenfalls gelang es mir, morgens wieder irgendwie aus dem Zelt raus zu kriechen und im 45 Grad Winkel alle meine Verrichtungen (wie zum Beispiel Zähne putzen) zu machen, bis dann endlich die Schmerzmittel wirkten. Die Rückfahrt war dann aus medizinischer Sicht wieder unspektakulär. Am nächsten Tag, nachdem man mir aus dem Bett geholfen hatte, ging ich zum Arzt, der mir eine 10-tägige Arbeitsunfähigkeit bescheinigte. Jetzt geht es wieder und ich werde in Zukunft Vitali nicht mehr in dieser Weise versuchen aus dem Quälkäfig zu heben. Immer schön in die Knie gehen!



Garten: Was war noch? Die Wurzel Nummer zwei ist raus. Ich habe nun bereits einige Übung mit dem zeug und auch mit der Motorsäge. Dennoch ist das alles immer ordentlich anstrengend und es geht mindestens ein Tag dabei drauf, so eine Wurzel loszuwerden. Am schlimmsten ist im Nachhinein immer dieser dicke Stumpf, den man aus der Erde geholt hat. Wohin damit? Aber der ebene Boden, der danach anstelle der blöden Löcher den Garten ziert, ist jedesmal Belohnung genug.
Gestern kauften wir zwei Birnenbäume (ich glaube, die heißen richtiger Birnbäume). Einer heißt Konferenz der andere irgendwas mit Liebe Luise oder so. Die Namen dürfen sie natürlich nicht behalten, da muss etwas knackigeres her. Zwei Bäume deshalb, weil die sich wohl nicht aus eigener Quelle befruchten können, da braucht es immer ein Komplement. Die kommen auf das letzte Woche von mir endgültig von Pflanzenresten befreite Beet 'B', denn dort musste ich ein erhöhtes Wurzelaufkommen von seiten der 4 meter entfernten Fichte feststellen. Diese Wurzeln müssen in den Sommermonaten dort hin gewachsen sein, denn als ich das Beet angelegt hatte, habe ich alles tief ausgeschachtet und mit neuer Erde gefüllt. Von dieser will die blöde Konifere anscheinend nun auch was abhaben. Ich überlege nun, ob ich diese Schachterei noch einmal wiederholen sollte und statt einfach Erde reinzufüllen, eine Art Rootwall (anstelle von Firewall) installiere, indem ich zumindest den Rand des Beetes zum Baum hin mit irgendeinem Zement ausgieße. Das würde allerdings das Einpflanzen der Birnen noch etwas hinauszögern. Aber Geduld muss man ja sowieso haben, will man auch nur irgendetwas ernten.
Der Herbst macht sich nun endgültig bemerkbar. Bei der Menge an Regen, die in den letzten Tagen heruntergekommen ist und bei der beliebten Grau-in-Grau Optik, die uns das Wetter beschert, glaube ich auch nicht mehr daran, dass aus den verkrüppelten Kürbissen noch etwas wird. Ich vermute, ich habe sowieso alles falsch gemacht und hätte diese viel besser zurückschneiden müssen oder was man sonst noch mit Kürbissen anstellt. Vielleicht hätte auch das Verfaulen des vielversprechendsten Kandidaten vermieden werden können, wenn man den auf eine nicht ganz so feuchte unterlage wie das Beet selbst gelegt hätte. Im Nachhinein ist man immer klüger und genau dafür war ja das initiale Forschungsgartenjahr auch da. Nächstes Jahr wird alles optimiert. Und auch der Rasen hat dann keine Ausrede mehr. Ich habe bereits die freigeräumten Beete gekalkt, den Komposthaufen mit wirklich viel Zeug befüllt, den Ph Wert des Bodens gemessen (der ist zuimindest laut Messung OK, aber Kalken kann ja nie schaden :). Die Messung des Ph Wertes hätte eigentlich einen eigenen Beitrag verdient, aber in diesem Fall muss es auch so gehen. Das war nämlich so: Ich bekam von einem Kollegen das Ph-Messset. In diesem befand sich destilliertes Wasser, Tabletten und ein Röhrchen für die Proben. Und natürlich eine Anleitung, die sich hauptsächlich darin erging zu erläutern, wie man richtige Bodenproben entnimmt. Und so nahm ich mir 4 Schüsselchen aus der Küche, stapfte in dern Garten und kratzte mir Boden von verschiedenen Stellen in die Schüsselchen. Dann baute ich mir alles professionell auf dem Küchentisch auf und binnen der nächsten halben Stunde hatte ich die größte Schweinerei, die je auf diesem Tisch angerichtet wurde angerichtet. Und das alles für unglaubwürdige 7'er und 8'er Werte, (grünblau bis blau), wo ich doch eigentlich auf ein sattes Gelb gehofft hatte wegen der Koniferen und dem sauren Boden, den sie angeblich hinterlassen. Nun fragt sich vor allem, was ist denn eigentlich der Grund für das schlechte Wachstum an bestimmten Stellen im Garten? Nährstoffe? Doch mal Düngen? Oder die Scheissbäume, die allen anderen Pflanzen alles wegnehmen: Licht, Luft und Nahrung.
(...)
Demnächst muss noch der Winterdünger auf den Rasen ausgebracht werden, damit dem drohenden Pilzbefall Einhalt geboten werden kann. Die herbst-Lockerung mit der Grabegabel steht ins Haus. Und vielleicht finden wir ja noch das eine oder andere Wintergemüse, dass wir anbauen wollen. Gestern habe ich im Anzucht-Gewächshaus zumindest mal die Kräuter Bestände aufgestockt mit Rosmarin und Bohnenkraut, die man ja auch im Haus hinstellen kann.


Innen-Einrichtung: Ich hab noch ein kleines Buchregal gebaut und so dazu beigetragen, dass der Wohnbereich um ein weiteres verhasstes Ivar Regal reduziert werden konnte. Schön ist auch, dass man beim erneuten Einsortieren von Büchern und alten VHS Kassetten und sonstigem Zeug auch bei vielen Sachen zugeben muss, dass sie es hinter sich haben, dass man dieses Buch wirklich nicht noch einmal lesen wird, dass die Kids (endlich!) aus dem Benjamin Blümchen Alter raus sind etc. Und so komme ich meinem Traum von einem gemütlichen Wohnzimmer immer näher. Ich plane auch, einen neuen Werkstoff, dessen Einsatz ich bei Freunden bewundern konnte, auszuprobieren: Mitteldichte Faserplatte - ein wie ich vermute Geheimtipp unter den Innenarchitekten. Vielleicht baue ich daraus eine Schreibtisch für die Liebste und einen Schrank-Kommoden-Irgendwas für mich. Der Winter wird da wohl noch so einiges neues bringen. Denn dann kann und wird man nicht mehr so viel im Garten machen. Ich schätze, dass sich auch die Frequenz meines Posts wieder erhöhen wird.

Ich schätze, bald wird Heidi aufstehen. Wir sind für gleich zum Laufen verabredet, wobei mir meine 2 Kaffee schrecklich aufstoßen werden und Sodbrennen verursachen werden. Dennoch: Die gestrige Fresserei muss bestraft werden mit Qualen. Und wegen des "Blair" im Titel: Wir haben gestern das Blair Witch Project gesehen und uns sehr gegruselt. Nichts weiter.

Mittwoch, 5. September 2007

Pinus Pinea

Seit ein paar Monaten haben wir eine eigene Pinie. Sophie hatte einen Kern in den Topf, der einer anderen Pflanze gehört, reingesteckt und - oh Überraschung - irgendwann hatten wir dann einen eigenartigen Keimling, wobei wir zunächst nicht wussten, was das sein soll - bis Sophie sich erinnerte. Das Pflänzchen gedieh so vor sich hin und heute habe ich mich erstmals seiner angenommen und die einschlägigen Gartenforen durchforstet, um herauszufinden, was man da so alles falsch machen kann. Anscheinend werden Pinien nicht besonders häufig angebaut, so bin ich mit dem einzigen Tipp, den ich finden konnte, losgezogen und habe ein Sand-Erde Gemisch hergestellt und die Pinie da reingesetzt (in einen Topf), und damit sie es auch schön kuschelig hat, steht sie über den Winter, der dieser Tage ja bekanntlich angefangen hat, im Gewächshaus.
Der aufmerksame Leser wird sich fragen müssen, wieso diese Leute denn nun schon wieder Koniferen anbauen, wo sie doch die alten verhassten Schwarzwaldtannen noch nicht mal losgeworden sind. Und der Autor kann nur schulterzuckend antworten: Keine Ahnung. Pinien sind einfach was anderes.