Dienstag, 5. Juni 2007

Klassentreffen

Nun ist es überstanden. 1000 km Fiesta-Raserei und 10 Stunden Autobahn liegen hinter mir. Ebenso eine vollkommen durchzechte Nacht voller merkwürdiger Begegnungen. Aber nun mal von vorn: Bin am Donnerstag nach der Arbeit losgefahren. Wegen des zu starken Kaffeekonsums während des Tages musste ich zumindest ein Mal auf der Autobahn pinkeln. Ich geriet an ein Klo, das man vor vielleicht 10 Jahren errichtet hat, wobei mit Edelstahlelementen nicht gegeizt wurde. Ich vermute, dass die Erbauer dermaßen von dem schönen und sauberen Aussehen des Edelstahls beeindruckt waren, dass die Notwendigkeit übersehen wurde, diese Elemente hin und wieder einmal zu reinigen. Und so bot sich mir ein Anblick des Ekels. Überall waren Großflächig Urinstein und womöglich Salpeterflecken verteilt und der Fußboden schwamm in üblem Schlamm. Hatte ich mich beim Hineingehen noch von den bewundernden Blicken einer jungen Frau betrachten lassen müssen, wollte mir derartiges auf dem Weg ins Auto nicht mehr gelingen. Da auch der Wasserhahn nicht funktionierte, blieb mir nur, das alles zu verdrängen und schnell weiterzufahren.

Rem und ich konnten noch am Abend einige Male unser Lied üben. Mit allen Gitarren und dem echten Arrangement und so weiter. Es lies sich bereits hier erahnen, dass das ganze soundmäßig eine Katastrophe werden würde. Ich hatte trotz der 5 Stunden Übung mit der Endloskassette im Auto noch Schwierigkeiten, den Text korrekt wiederzugeben. Jedwede Ablenkung lies mich in ein nuschelndes Pseudo-Englisch verfallen, nur um wenigstens irgendwas zu singen, wenn mir schon der Text ausgegangen war. Die Erwartung, dass mir ein solcher Ausfall auch live passieren würde, lies mich zwar ruhig schlafen, aber ich musste doch immer wieder daran denken und den text im Geiste durchsingen. Insgesamt macht mir auch im Nachhinein diese Abbauerscheinung meines Gehirns zu schaffen. Irgendwann gaben wir dann auf und schauten einen schrecklichen Mist von Horrorfilm: "Demon Slayer" oder so. Ich bin dabei eingeschlafen und deswegen am nächsten Morgen als erster erwacht und im nahe gelegenen Stadtwald eine Stunde laufen gewesen.

Da Rem danach noch immer nicht aufgestanden war, wurde geweckt und das Frühstück eingeleitet. Es gab dann anschließend noch eine kurze Zeit fürs Üben, dann musste er auch schon ab zur Trauung. Und ich blieb daheim.
Oder fast. Raffte mich auf zu einem ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt mit dem Auftrag, Geld abzuheben. Nachmittags dann nochmals kurzes Geübe, noch immer mit den bekannten Textunsicherheiten, dann die Sachen einpacken und aufbauen. Wegen widriger Umstände kam es nicht zum Soundcheck.

3 Stunden später und um noch eine Stunde Lauferfahrung reicher gesellte ich mich der Gesellschaft hinzu, traf auf H. und H., die eben gerade geheiratet hatten und fand das alles reichlich seltsam und fremd bzw. noch gar nicht richtig angekommen.

Im Laufe des Abends sind folgende Sachen dazu gekommen:

  1. Ich habe festgestellt, dass nicht nur ich aus meinem Anzug herausgewachsen bin. Fast alle hatten wenig bis viel zugelegt - zum Teil im Zusammenhang mit Rauchen aufhören oder Kinderkriegen.
  2. Einigen Leuten ging es so wie mir: Es hat einen irgendwohin verschlagen und man kommt nicht mehr dazu, die alten Freunde zu treffen. Am schlimmsten war der Fall bei Rem, der es nicht mitbekommen hatte, wie einer seiner Freunde Vater geworden war.
  3. Das Haben von Kindern macht die Runde. Es war kaum ein Gespräch ohne Kinder-Themen mehr zu führen und: Ich kann mitreden!
  4. Heiraten ist nicht so spießig. Mir in mir häuften sich die Stimmen, die sagten: Seht her: die beiden passen ja wirklich wunderbar zusammen, kennen sich wie sonst keinen und eigentlich kann da auch keiner mehr dazwischenfunken. Na jedenfalls: Heiraten ist OK.
Am nächsten Tag war natürlich alles wieder ein wenig gerader gerückt und der Kopf dankte es mir, dass ich noch zwei sehr alte und zerbröselte Aspirin Brausetabletten in meiner Tasche fand, die dort schon seit Jahren herumliegen müssen. Ich sah mir, weil ich einfach nicht schlafen konnte, das Ende des bereits zum Einschlafen verwendeten Demon Slayer Films an, außerdem auch gleich noch den nächsten: Wishmaster. Dabei fehlte nur noch, dass auch die Schauspieler die gleichen gewesen wären: Bei der Qualität der Story hat man jedenfalls nicht für Abwechslung gesorgt.
Der Tag verging unter Stöhnen und Kopfschmerzen. Nach einem Spaziergang war aber alles wieder in Ordnung.

Am nächsten Tag besuchte ich meine Eltern, die endlich, nach 30 Jahren umgezogen sind. Eine Sache, die sie schon vor 10 Jahren hätten tun sollen. Eine feine neue Wohnung, alle sind nach dem Umzugsstress endlich zufrieden und ich war es auch, vor allem, nachdem ich nach den 2ten 500 km endlich wieder zu Hause eintraf und die Kids noch ein spätes Gute Nacht bekommen wollten.

Heiraten. Yeah!

Keine Kommentare: