Freitag, 29. Juni 2007

Große Hasenmäher

Gestern spazierten Heidi und ich zum Rhein und beobachteten dort eine Horde (oder Herde) Schafe, die auf den Wiesen Quadrant um Quadrant mähen und düngen müssen. Dem Treiben zuzusehen macht sehr viel Freude. Die fast erwachsenen Kälber werfen die Mütter fast um bei dem Versuch, noch etwas Milch abzubekommen. Man rennt hin und her und man bettet sich aufeinander zum Schlaf. (Schafe haben ihre Schlafschafe). Nach etwa 20 Minuten gesellte sich ein weiteres Paar (Menschen) zu uns und beobachtete. Weil mir kalt wurde verabschiedeten wir uns aus dieser einträchtigen Szene.
Das ganze war so vergnüglich, dass ich bei der heutigen Wiederholung gleich eine Kamera mitgenommen und die Schafe fotografiert habe. Hier die schönsten Momente.


Sonntag, 24. Juni 2007

Wieder langsamer & Kahlschlag

Wieder langsamer:
Heute morgen durften wir beiden wieder zusammen laufen, allerdings mit einer kleinen Modifikation: Die Strecke, die eigentlich eine Runde ist, wurde von beiden Teilnehmern von je einem anderen Ende angefangen, ich lief sozusagen verkehrtherum in die Runde, Heidi lief richtigherum in die Runde. Da sie erst noch eine kurze Teilstrecke zurücklegen musste, bevor sie parallel in meine Richtung lief, war sie die ganze Zeit hinter mir, was sich für mich gut anfühlte, denn ich sah sie ja nicht vor mir laufen. Für Heidi war das natürlich schlecht. Dazu kam noch, dass ihre Strecke von mehr Kurven durchzogen war als meine. So war ich immer ein wenig weiter voraus, was sich psychologisch unschön auf ihre Kondition auswirken musste. Letztlich stellte sich heraus, dass ich zwar etwas früher am Treffpunkt war, aber eben nur etwas. Genau die Strecke, die sie nämlich extra laufen musste. Mit anderen Worten: Ich bin nicht schneller, hatte nur mal ein Formhoch beim letzten Mal und wir müssen solche albernen Kinkerlitzchen nicht mehr verantstalten und ich kann weiter auf meine Liebste aufpassen und sie vor Irren beschützen. Das war gar nicht der eigentliche Teil des Posts, sondern nur eine wichtige Klarstellung. Nun folgt der wirklich interessante Bericht, zu dem ich eigentlich gern noch ein paar Bilder beisteuern möchte, aber im Moment sind die noch in der Kamera und der Laptop hat keinen Kartenleser.



Kahlschlag:
Gestern trafen Schwager und Schwägerin in spe hier ein, um bei unserem Garten-Dauer-Projekt zu unterstützen, bei dem auch viel Geld über die Theken von Baumärkten und Outdoor Geschäften gereicht wird: Dem Fällen der insgesamt 10 Koniferen (in unserem Fall Fichten, glaube ich, vielleicht auch Tannen). Ich hatte zuvor eine 3teilige Leiter gekauft, die immerhin eine Höhe von 7 Metern erreicht und Heidi hatte eine Teleskop-Astschere bezahlt (mit den Worten: Auch wenn Du mal ausziehst, muss ich immer noch irgendwelche Äste abschneiden), die sich auf 6 Meter fünfzig ausziehen lässt. Toll!
Wie immer wurde der sexy Klettergurt übergestreift und die Sicherungsvorrichtung eingehängt (das waren die ersten 100€). Dann die Leiter rauf (die zweiten 100€), dann das Seil angebracht (85€). Und schon konnte die Sägerei losgehen. Sie ging aber nicht los, denn diesmal hatten wir noch die Astschere (90€), mit der schon vor der lästigen Sägerei das gröbste an Ästen und Zweigen abgeschnitten werden konnte, was wiederum den abzusägenden Teil des Baumes wesentlich leichter machte. Dann aber endlich sägen, ziehen und runter damit. Leider hatte Sophies Schaukel sofort einen Knick von dem herunterfallenden 200 kg Baumteil abbekommen. Mittlerweile will sie eine Neue.















Alle leben noch.
Die nächsten Scheiben wurden dann mutig mit der Kettensäge heruntergeholt. Und bei der nachmittäglichen Essenspause wurde festgelegt, dass noch ein zweiter (dann schon Nummer 4 auf der Liste!) Baum dran glauben musste. Dieser war noch gut 3 Meter höher aber wir hatten ja Blut geleckt und waren außerdem noch mutiger und adrenalisierter geworden. So kam es, dass das erste abgesägte Stück doch länger war als gedacht und beim Fallen (während des Falls knickte die Spitze des Baumes ein!) ein Zaunsfeld einriß. Dennoch: Noch mal gut gegangen. Auch hier wurden die Reste des Stammes mit der Kettensäge heruntergeholt und siehe: Es ward Licht im Garten. Alles in allem eine gelungene Aktion. Jeder Baum, der fällt, bringt uns ein Stück Gartenland zurück! Und noch immer sind alle am Leben.
Heute hatte ich eine wie mir scheint wunderbare Idee: Die Bäume sollen ja nicht sinnlos vergehen: Die Stämme werden zu einem wunderbaren Kletterturm zusammen gebaut, den ich während des Sommer schon einmal vorbereite. Wenn alle Stämme zusammengekommen sind, wird das Ding vermutlich 2 Meter hoch!
Ich sehe zu, dass ich noch Bilder vom Schauplatz anfüge.

Donnerstag, 21. Juni 2007

Schneller mit Nachgeschmack

Heute morgen beim gemeinsamen Lauf war ich zum ersten Mal schneller oder wenigstens spürbar mit mehr Reserven ausgestattet als meine Freundin. Ich bilde mir ein, dass dies durch eine verbesserte Technik meinerseits zustandekam, die darin besteht, ausschliesslich meinen Laufrhythmus einzuhalten und mich stur aus dem gemeinsamen gehoppel herauszunehmen. Allerdings hatte mein Schneller Sein auch seinen Preis: Wir dürfen nun nicht mehr zusammen laufen. Das ist mit Inkompatibilität beiom Laufen begründet. Doch daran glaube ich nicht: schätzungsweise in einer Woche werde ich wieder der Alte sein und einen halben Meter hinter ihr her trotten - völlig außer Atem und mit nassem und hochrotem Schädel.
Außerdem muss sie doch irgendwer vor Sittenstrolchen und kranken Idioten schützen. Hoffentlich bin ich das nächste Mal wieder langsamer.

Dienstag, 19. Juni 2007

addicted

Mein morgendlicher Weg zur Arbeit führt mich auf einer Strasse entlang, in der lauter Eigenheime mit Garagen und dergleichen stehen. In einem dieser Eigenheime wohnt ein etwa 60 jähriger Mann, der des öfteren dabei zu beobachten ist, wie er Kaminholz sortiert, sägt, umschichtet. Dieser Mann ist ein Feuerholzsüchtiger, genau wie Justin. Und ich fühle zumindest mit ihm. Sich mit dem Feuerholz zu beschäftigen ist eine feine Sache, weil das so 1:1 in Richtung archaische Existenzsicherung zielt: ohne Feuerholz muss die Familie erfrieren. Heutzutage ist dieser Zusammenhang durch irgendwelche anderen Heizungen durchbrochen; bestimmt hat dieser Mann auch so etwas. Und bei uns stimmt an diesem Konstrukt nicht, dass die Feuerstelle außerhalb des Hauses steht und nur im Sommer betrieben wird. Tja. Aber Spaß macht das alles trotzdem.

richtig einkaufen

Hatte heute morgen neben dem Laufen noch einen Job zu erledigen: Brötchen holen. Nun ist es so, das im Stadtteil zwei Bäcker miteinander konkurrieren, einer auf er linken, einer auf der rechten Strassenseite ungefähr auf gleicher Höhe. Die Bedienungsfrauen des Bäckers auf der rechten Seite sind arrogant und irgendwie "schillernd", jedenfalls scheint man es sich so einzubilden. Die Damen auf der linken Seite sind nett und sagen sogar guten Tag, selbst wenn man nicht der Herr Doktor oder wer auch immer Bekanntes ist. Ganz schön provinziell halt.
Normalerweise werden die Brötchen bei dem "bösen" auf der rechten Seite gekauft, weil es irgendwie doch bequemer ist und man die Strassenseite erst etwas später, zum Beispiel an einer Ampel, wechseln muss. Heute Morgen nun habe ich es mir anders überlegt. Und so begab es sich, dass ich direkt vor den Augen der arroganten Verkäuferinnen des rechtsseitigen Bäckers die Strassenseite wechselte, sogar noch 100 Meter in die falsche Richtung lief um dort in den guten Bäcker einzukehren. Und hier bin ich nun: Ein stolzer Konsument, der es mal wieder allen gezeigt hat, indem er seine 1,50 an der richtigen Stelle ausgegeben hat. Lustig war dann, dass Justin sich 3 Euro Restgeld von der Waschmaschine geschnappt hat, die ich aus der Jogginghose ausgepackt hatte, bevor ich diese hineinlegte. Bei uns existiert eine Regel, nach der die Kinder sich herumliegende Geldstücke nehmen dürfen. Aber da so etwas auch Grenzen haben muss, verlangte ich die 3 Euro zurück (immerhin, er hat es zugegeben, sie genommen zu haben) und gab dafür 1,50 her. So habe ich letztlich 3 Euro für 6 Brötchen ausgegeben, aber wenigstens an den richtigen Stellen.

Sonntag, 17. Juni 2007

eine woche in der Hölle

Also so schlimm war es gar nicht, aber es ist ein schöner Gleichklang zu "Ein Jahr in der Hölle", dem Film von Peter Weir. Im Grunde war die Woche gar nicht so schlimm, es gab nur keinen Brückentag mehr und so kam es zur 5 Tage Woche. Und ich war die ganze Zeit müde, weil die Kleine Dienstag Nacht zu uns ins Schlafzimmer gekrochen kam und ich aus Platzgründen freiwillig auf Sofa umgezogen bin und in dieser Nacht kein Auge zugemacht hatte. Sophie kommt nicht mehr allzu oft zu uns ins Bett. Anscheinend beschäftigt sie etwas sehr. Jedenfalls hatte ich einfach nur eine müde Woche, was sich erst am Wochenende gegeben hatte. Sonst habe ich eigentlich nichts auf die Reihe bekommen.

Im Gewächshaus ist ein Kasten mit Petersilie zugrunde gegangen, weil der keine Löcher hatte und das Wasser nicht abfließen konnte. So hatte ich ein ganzes Bündel Petersilie für den Hasen - der hat sich gefreut. Dieser Vorfall thematisiert wieder einmal, wie viel Aufmerksamkeit man auch dem kleinsten Detail schenken muss, will man eine reiche Ernte einfahren. Immerhin habe ich die Stangenbohnen mit Maschendraht beschützt. Hierfür habe ich eine einfache aber wirkungsvolle Technik entwickelt: Einfach etwas Maschendraht von der Rolle abwickeln und dann mit Zeltnägeln im Boden fixieren. Der Hase kann da keinen Schaden mehr anrichten. Immerhin ist die größte der Stangenbohnen nun schon etwa 160cm hoch geklettert.
Aber als Leser merkt man sicher schon: Es ist einfach nichts passiert.

Doch, heute sind Justin und ich mit den Rädern, die ich gestern aufwendig überholt habe, eine 30 km Tour gefahren und wir waren ziemlich schnell. Nächstes Wochenende ist eine ausgedehnte Tour geplant, die Justins Onkel organisiert und ins Leben gerufen hat, da mussten wir schon mal trainieren. Und ich habe endlich wieder etwas dünnere Reifen drauf, nichts schleift mehr und die Post geht ab!
Anscheinend musste ich die unproduktive Woche mit Shopping kompensieren. Neben den bereits erwähnten Reifen gab es auch noch ein Paar für meine Liebste, weil die schon seit Monaten über ihre, wiederum zu dünnen, Reifen klagt. Aber meine Freundlichkeit stieß nicht auf Gegenliebe oder Dankbarkeit. Erst als heute die Testfahrt mit dem neu bestückten und auch sonst an so einigen Stellen reparierten Rad unternommen wurde, kamen Worte des Dankes aus ihr heraus.
Zudem kaufte ich für Heidi eine ISO Matte und einen winzig-Schlafsack für die Radtour. Von dem Schlafsack (der so nicht vorher abgesprochen war) zu erzählen wagte ich erst nach der Anerkennung meiner Leistung als Mechaniker.
Dennoch wurde ich mit Vorwurf enttäuscht. Naja, aber nun hat sie wieder ein tolles Rad und eine smarte outdoor Ausrüstung. Spätestens bei der Radtour wird sie mir wieder um den Hals fallen. (Bilde ich mir ein). Was für ne Woche.

Sonntag, 10. Juni 2007

Irgendwie ausgebrannt

... und bar der Möglichkeiten, etwas daran zu ändern. Heute morgen war ein Ausdauerlauf angesetzt, wir wurden aber durch einen Aufmarsch von Christen mehr oder weniger daran gehindert. Man könnte sogar soweit gehen und behaupten: Wenn die Christen nicht gewesen wären, hätten wir nicht einen alternativen Weg nehmen müssen und meine Freundin wäre nicht gestürzt und so weiter.
Aber so nachtragend will ich mal nicht sein. Es ist dennoch erstaunlich, wie tapfer die Anwohner den ganzen Kirchentag ertragen haben. Anscheinend brauchen wir solche einen Massenauflauf wenigstens ein Mal pro Jahr: Papstbesuch, WM und nun die Protestanten mit ihren lauten Liedern. Aber nun ist es überstanden und es bleibt der Eindruck von einer doch noch recht gewaltigen Kraft, die da durchaus auch viele sehr junge Menschen in ihren Bann zieht. Junge, liedersingende Menschen, wohlgemerkt. Aber auch in der Öffentlichkeit pinkelnde! Dank der orangefarbenen Halstücher kann man ja sehr leicht unterscheiden, wer nun Kirchentagsbesucher ist und wer normaler Bürger. Und Donnerstag Morgen konnte ich beobachten, wie einer der Orangierten Besucher einfach so, mir nichts dir nichts, in die Böschung neben dem Gehweg pinkelte und danach einfach weiter ging. Tsss.
Immerhin hat der Geburtstag eigentlich von dem Krach, der von der Großveranstaltung herüberwehte, profitiert: Jeder Nachbar, der sich mit Sprüchen wie "gehts noch lauter" oder "ich ruf gleich die Polizei" an uns gewendet hätte, hätte sich ziemlich lächerlich gemacht, denn, was immer wir auch aufgeboten hätten, das heilige Grundrauschen war auf jeden Fall lauter.
Meinen Garten hat dies alles übrigens gar nicht weiter interessiert. Dank des feucht-warmen Wetters gedeiht alles prächtig.
Immerhin: Der Hase hat die Sperren eines der Beete über- (oder unter-) wunden. Vorgestern sah ich ihn etwas verwirrt (vermutlich weil er nicht wußte, wie er wieder herauskommen sollte), innerhalb eines der umzäunten Beete sitzen. Er kaute noch an der gerade zerfleischten Tomatenpflanze. Immerhin ließ er sich widerstandslos pflücken und wieder auf die Wiese setzen. Nach ein paar belehrenden Worten ist er dann davongehoppelt, der Arme!
Ich habe daraufhin ein paar alte Heringe herausgekramt und das Drahtgeflecht so am Boden fixiert. Nun geht wirklich nichts mehr.
Vielleicht noch ein Wort zu den Geburtstagsgeschenken: Also zunächst mal sei allen gedankt, die was damit zu tun hatten. Ich bekam unter anderem eine feine Schnittschutzhose für die nächsten Kettensägenmassaker, die im Garten veranstaltet werden, 3 Akku betriebene Nachtleuchten, die mit weissen LEDs funktionieren, eine tolle Schwimmbrille (hoffentlich wird sie bald ausprobiert) und eine mit 20 bunten Glüchlampen ausgestattete Outdoor Lichterkette, die nun gemeinsam mit den LED Lampen, den Garten auf charmante Weise schmückt. Schön. Es lohnt sich wieder, Geburtstag zu haben.

Mittwoch, 6. Juni 2007

Geburtstag

Übermorgen habe ich Geburtstag. Es ist das erste Mal seit ich in der Fremde bin, dass ich mal so richtig Leute einlade, ohne dabei krampfig an Masse zu denken oder dergleichen. Es kommen eben mittlerweile auch ohne Schwierigkeiten ein paar zusammen, und wenn es die Hälfte eben nicht schafft, ist es auch nicht wild, weil: Man kommt eben entspannt zusammen und grillt ein wenig oder sowas.
Es ist auch ein Geburtstag, der irgendwo dazwischen liegt, geht weder auf den nächsten 10'er zu, noch liegt er zu nah am vorigen 10'er dran. Braucht man also kein Gewese drum zu machen.

Das einzige was mich noch quält, ist die Frage nach dem Dualit Toaster: Kaufen oder nicht kaufen. Immerhin gibt mir mein Geburtstag ein wenig die Legitimation, mir auch selbst was zu schenken, und das Ding kommt ja auch der Gemeinschaft zugute. Ich werde noch berichten, was beim Kampf zwischen Konsumteufel und Verzichtsengel herausgekommen ist.

Morgen gibt es einen Feiertag, der mir bei den Vorbereitungen der Feier als auch beim schon wieder notwendigen Aufpeppen des Gartens sehr zupaß kommt. Die Erbsen kommen nicht allein klar - brauchen eine Rankhilfe, die ich heute im Baumarkt eingekauft habe. Die Tomaten auch.

Außerdem im Baumarkt gekauft wurde eine 3-teilige und recht hohe Leiter, die für die nächsten Baumfällaktionen im Garten mein Arbeitsgerät sein soll. Bisher habe ich einen großen Respekt vor dem Ding, denn ich kann es kaum irgendwohin dirigieren, geschweige denn an einen Baum lehnen. So schwer und groß ist das.


Der Hase lebt seit einigen Tagen tagsüber, sofern er aus seinem Käfig gelassen wird, in einem Haufen aus sogenanntem Grünschnitt - den Überresten des Baumes, der beim letzten Mal dran glauben musste. Witzig daran ist, dass er die von ihm selbständig in den Haufen hinengetriebene Höhle unter keinen Umständen verläßt. Wenn zum Beispiel eines der Kids versucht, ihn zu fangen, wir es angeknurrt, der stapft wütend mit einem Hinterlauf auf und bekabbelt das Kid mit seinen Vorderläufen. Wenn dann aber mal ich zum finalen in den Käfig scheuchen auftrete, büchst er sofort aus einem seiner Notausgänge aus und ergreift die Flucht. So blöd man ihn auch finden mag, so richtig doof kann er gar nicht sein.
Als weiteres Beispiel seiner Hasenklugkeit mag folgendes gelten: Ich hatte Justin an einem Engpass aufgestellt, um diesen vor dem Durchpreschen des Hasen zu beschützen und näherte mich von der anderen Seite. Ich hatte eigentlich vermutet, dass er die Falle wahrnimmt und sich mir zuwenden würde, weil es ja bei mir wenigstens keinen bewachten Engpass gab. Nichts da: Er rannte einfach die Verteidigung des Justin nieder und entkam mir so ein weiteres Mal, der Kleine wird von ihm einfach nicht ernst genommen. Raubhase!

Dienstag, 5. Juni 2007

Klassentreffen

Nun ist es überstanden. 1000 km Fiesta-Raserei und 10 Stunden Autobahn liegen hinter mir. Ebenso eine vollkommen durchzechte Nacht voller merkwürdiger Begegnungen. Aber nun mal von vorn: Bin am Donnerstag nach der Arbeit losgefahren. Wegen des zu starken Kaffeekonsums während des Tages musste ich zumindest ein Mal auf der Autobahn pinkeln. Ich geriet an ein Klo, das man vor vielleicht 10 Jahren errichtet hat, wobei mit Edelstahlelementen nicht gegeizt wurde. Ich vermute, dass die Erbauer dermaßen von dem schönen und sauberen Aussehen des Edelstahls beeindruckt waren, dass die Notwendigkeit übersehen wurde, diese Elemente hin und wieder einmal zu reinigen. Und so bot sich mir ein Anblick des Ekels. Überall waren Großflächig Urinstein und womöglich Salpeterflecken verteilt und der Fußboden schwamm in üblem Schlamm. Hatte ich mich beim Hineingehen noch von den bewundernden Blicken einer jungen Frau betrachten lassen müssen, wollte mir derartiges auf dem Weg ins Auto nicht mehr gelingen. Da auch der Wasserhahn nicht funktionierte, blieb mir nur, das alles zu verdrängen und schnell weiterzufahren.

Rem und ich konnten noch am Abend einige Male unser Lied üben. Mit allen Gitarren und dem echten Arrangement und so weiter. Es lies sich bereits hier erahnen, dass das ganze soundmäßig eine Katastrophe werden würde. Ich hatte trotz der 5 Stunden Übung mit der Endloskassette im Auto noch Schwierigkeiten, den Text korrekt wiederzugeben. Jedwede Ablenkung lies mich in ein nuschelndes Pseudo-Englisch verfallen, nur um wenigstens irgendwas zu singen, wenn mir schon der Text ausgegangen war. Die Erwartung, dass mir ein solcher Ausfall auch live passieren würde, lies mich zwar ruhig schlafen, aber ich musste doch immer wieder daran denken und den text im Geiste durchsingen. Insgesamt macht mir auch im Nachhinein diese Abbauerscheinung meines Gehirns zu schaffen. Irgendwann gaben wir dann auf und schauten einen schrecklichen Mist von Horrorfilm: "Demon Slayer" oder so. Ich bin dabei eingeschlafen und deswegen am nächsten Morgen als erster erwacht und im nahe gelegenen Stadtwald eine Stunde laufen gewesen.

Da Rem danach noch immer nicht aufgestanden war, wurde geweckt und das Frühstück eingeleitet. Es gab dann anschließend noch eine kurze Zeit fürs Üben, dann musste er auch schon ab zur Trauung. Und ich blieb daheim.
Oder fast. Raffte mich auf zu einem ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt mit dem Auftrag, Geld abzuheben. Nachmittags dann nochmals kurzes Geübe, noch immer mit den bekannten Textunsicherheiten, dann die Sachen einpacken und aufbauen. Wegen widriger Umstände kam es nicht zum Soundcheck.

3 Stunden später und um noch eine Stunde Lauferfahrung reicher gesellte ich mich der Gesellschaft hinzu, traf auf H. und H., die eben gerade geheiratet hatten und fand das alles reichlich seltsam und fremd bzw. noch gar nicht richtig angekommen.

Im Laufe des Abends sind folgende Sachen dazu gekommen:

  1. Ich habe festgestellt, dass nicht nur ich aus meinem Anzug herausgewachsen bin. Fast alle hatten wenig bis viel zugelegt - zum Teil im Zusammenhang mit Rauchen aufhören oder Kinderkriegen.
  2. Einigen Leuten ging es so wie mir: Es hat einen irgendwohin verschlagen und man kommt nicht mehr dazu, die alten Freunde zu treffen. Am schlimmsten war der Fall bei Rem, der es nicht mitbekommen hatte, wie einer seiner Freunde Vater geworden war.
  3. Das Haben von Kindern macht die Runde. Es war kaum ein Gespräch ohne Kinder-Themen mehr zu führen und: Ich kann mitreden!
  4. Heiraten ist nicht so spießig. Mir in mir häuften sich die Stimmen, die sagten: Seht her: die beiden passen ja wirklich wunderbar zusammen, kennen sich wie sonst keinen und eigentlich kann da auch keiner mehr dazwischenfunken. Na jedenfalls: Heiraten ist OK.
Am nächsten Tag war natürlich alles wieder ein wenig gerader gerückt und der Kopf dankte es mir, dass ich noch zwei sehr alte und zerbröselte Aspirin Brausetabletten in meiner Tasche fand, die dort schon seit Jahren herumliegen müssen. Ich sah mir, weil ich einfach nicht schlafen konnte, das Ende des bereits zum Einschlafen verwendeten Demon Slayer Films an, außerdem auch gleich noch den nächsten: Wishmaster. Dabei fehlte nur noch, dass auch die Schauspieler die gleichen gewesen wären: Bei der Qualität der Story hat man jedenfalls nicht für Abwechslung gesorgt.
Der Tag verging unter Stöhnen und Kopfschmerzen. Nach einem Spaziergang war aber alles wieder in Ordnung.

Am nächsten Tag besuchte ich meine Eltern, die endlich, nach 30 Jahren umgezogen sind. Eine Sache, die sie schon vor 10 Jahren hätten tun sollen. Eine feine neue Wohnung, alle sind nach dem Umzugsstress endlich zufrieden und ich war es auch, vor allem, nachdem ich nach den 2ten 500 km endlich wieder zu Hause eintraf und die Kids noch ein spätes Gute Nacht bekommen wollten.

Heiraten. Yeah!